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Zwei Einstiege: warum dieselbe KI zwei entgegengesetzte Urteile bekommt

Fragen Sie zwei Geschäftsführer, was KI in ihrem Haus tatsächlich leistet, und es kann Ihnen passieren, dass Sie zwei Antworten bekommen, die einander ausschließen.

Der eine sagt: Für das, worauf es bei uns ankommt, reicht es nicht. Wir haben es ernsthaft versucht. Bei den Texten hilft es, und sobald es an unsere eigenen Vorgänge geht, kommt etwas zurück, das gut klingt und nicht stimmt. Wir prüfen inzwischen mehr, als wir sparen.

Der andere sagt: Es gibt eigentlich nichts, was nicht ginge. Manches wird technisch, manches teuer, manches dauert ein halbes Jahr. Aber am Ende geht es.

Beide haben es ernsthaft probiert, beide sagen die Wahrheit, und beide sprechen über dieselbe Technik.

Der Unterschied liegt in der Frage, mit der sie angefangen haben

Der erste hat bei den Programmen angefangen, die ohnehin im Haus stehen. Dort ist inzwischen ein Assistent eingebaut, er kostet nicht viel extra, und er ist sofort da. Die Frage, die dabei entsteht, lautet: Was kann dieses Werkzeug für meinen Vorgang?

Das ist die naheliegende Reihenfolge, und sie ist niemandem vorzuwerfen. Sie trägt weit bei allem, was mit Sprache zu tun hat, und sie bricht dort ab, wo Ihr eigener Betrieb anfängt: bei den Vorgängen, die quer durch das Haus laufen, mehrere Systeme berühren und Ihre Besonderheiten enthalten. Warum die Grenze gerade dort verläuft und warum sie so unregelmäßig ist, steht unter Die ausgefranste Grenze.

Der zweite hat mit einer anderen Frage angefangen: Was weiß mein Haus eigentlich, und wie kommt eine Maschine daran? Bei ihm stand am Anfang kein Werkzeug, sondern ein Bestand. Erst wurde aufgeschrieben, was sonst in Köpfen und in gewachsenen Ablagen lag, und die einzelnen Fälle kamen danach.

Von dieser Reihenfolge hängt fast alles Weitere ab, auch das Urteil über die Technik.

Beide Urteile stammen aus der eigenen Reichweite

Der erste probiert eine Auswertung, sie geht schief, und damit gilt für ihn die ganze Klasse solcher Auswertungen als unmöglich. Dass sie funktioniert hätte, wenn das System auf die richtigen Unterlagen hätte zugreifen dürfen, erfährt er nicht, weil dafür jemand hätte wissen müssen, dass das überhaupt eine Möglichkeit ist.

Der zweite hat über Monate ein Problem nach dem anderen gelöst. Jedes gelöste Problem bestärkt ihn, und irgendwann ist aus der Erfahrung eine Überzeugung geworden: Wenn wir wollen, kriegen wir das hin.

Der eine schließt von einem Fehlschlag auf das Unmögliche, der andere von vielen kleinen Erfolgen auf die großen. Das ist derselbe Denkfehler mit umgekehrtem Vorzeichen. Keiner von beiden redet dabei über die Technik. Beide reden über ihre eigene Aufstellung und halten sie für die Welt.

Beim zweiten ist die Grenze nicht verschwunden, sie heißt nur anders

Von außen sieht es so aus, als hätte der zweite die Grenze hinter sich gelassen. Hat er nicht. Bei ihm heißt sie nicht mehr "geht nicht", sondern "wird aufwendig und dauert". Das ist dieselbe Grenze in einer anderen Währung, und weil sie sich in Wochen und in Geld ausdrückt statt in einem Fehlschlag, bemerkt er sie kaum als Grenze.

Und sie wechselt bei ihm die Art. Die Fragen, an denen er jetzt hängt, handeln nicht mehr davon, was ein Programm kann. Sie handeln davon, wer im Haus geradesteht für das, was inzwischen im gemeinsamen Bestand behauptet wird. Wer merkt, wenn dort etwas nicht mehr stimmt. Wie sich das prüfen lässt, wenn ein Kunde oder ein Auditor danach fragt. Und was mit den Anlagen und alten Systemen geschieht, die keine Schnittstelle haben und auch keine bekommen werden.

Das sind ungelöste Fragen, und seine Erfahrung hilft ihm dort weniger, als er denkt. Sie sind nicht deshalb lösbar, weil die kleinen Probleme es waren. Von seinem Standpunkt aus sehen sie nur so aus.

Der zweite Weg ist nicht überall zu haben

Er ist heute unter Bedingungen leicht, die längst nicht überall gelten. Er braucht Menschen im Haus, die ihre Probleme selbst bauen können, und die sind schwer zu bekommen und teuer zu halten. Er ist einfacher, solange niemand ein Prüfverfahren im Nacken hat, solange keine fremden Kundendaten im Spiel sind und solange die Ablage nicht mitbestimmt wird. Wer das eine oder andere davon hat, geht denselben Weg langsamer.

Deshalb sind es zwei Einstiege und nicht zwei Sorten von Unternehmen. Es sind auch keine zwei Lager, in die Sie sich einsortieren müssten. Die beiden Wege laufen aufeinander zu: Wer unten angefangen hat, arbeitet sich gerade zu den Ordnungsfragen vor, die der andere längst kennt, und wer bei den Programmen angefangen hat, wird die nächste Stufe irgendwann von seinem Anbieter geliefert bekommen. Was ein Anbieter liefert, ist allerdings das, was bei allen seinen Kunden gleich aussieht.

Die Frage, mit der Sie das bei sich prüfen können

Sie lautet nicht, in welcher der beiden Welten Sie sind. Sie lautet: Welche Frage haben Sie zuerst gestellt?

Wenn bei Ihnen zuerst ein Werkzeug da war und danach die Suche nach Anwendungsfällen begann, dann kennen Sie die Grenze, die zu diesem Einstieg gehört, und Ihr Bild von den Fähigkeiten der Technik stammt von dort. Es ist mit einiger Wahrscheinlichkeit kleiner als die Technik.

Und wenn bei Ihnen zuerst die Frage stand, was das Haus eigentlich weiß, dann kennen Sie die andere Grenze. Sie kommt später, sie kündigt sich nicht an, und sie ist keine Frage der Werkzeuge mehr.